Anfängliche Zusammenfassung 

Einige Tierhalter füttern ihren Katzen hausgemachte Kost. Die Ernährung besteht in der Regel aus gekochtem oder rohem Fleisch, Knochen, Gemüse, Taurin-, Multivitamin- und andere Zusätze. Frischfleisch- oder Rohfütterung, auch häufig als BARF bekannt, ist in erster Linie die Praxis der Verfütterung von rohem Fleisch, genießbaren Knochen und Organen an Hunde und Katzen. 
Unterstützer der Rohfleischfütterung sind der Meinung, dass die natürliche Ernährung wie ein Tier es in freier Wildbahn entwickelt hat, die ist, an welche es am besten angepasst ist. Sie versuchen, die gleiche Nahrung für ihre Haustiere zu imitieren.
Kritiker haben darauf hingewiesen, dass "natürlich" nicht immer auch gleichzusetzen ist mit „besser“ und Billinghurst (Erfinder von BARF) selber warnt davor: "Es gibt ernste Gefahren, welche zusammen mit der natürlichen Ernährung und natürlichen Gegebenheiten der Vorfahren oder wilden Vettern unserer Hunde einhergehen." 
 

Frischfütterungsfragen

Es gibt verschiedene Meinungen innerhalb der Gemeinschaft der Frischfleischfütterer. Streitpunkte ist z. B. die Frage, ob Hunde Allesfresser oder Fleischfresser sind und ob sie Pflanzen in ihrer Nahrung benötigen, und wenn ja, der Anteil dieses Pflanzenmaterials. Die Sicherheit bei der Verfütterung ganzer Knochen ist auch ein häufiges Diskussionsthema. Die "BARF"-Ernährung, ein Akronym für biologisch artgerechte Rohfleischfütterung wurde vom australischen Tierarzt Dr. Ian Billinghurst (ursprünglich für Hunde) entwickelt. Eine „abgespeckte“ BARF-Methode ist die kombinierte Fütterung mit Tiefkühlfleisch und gefrosteten tierischen Nebenerzeugnissen, teils auch mit (wenig) Knochen und professionell hergestellten Supplementen.

Bakterien, Viren, Parasiten und Zoonosen 

Unter Tierärzten ist die Fütterung mit Frischfleisch umstritten. Kritiker und Ernährungswissenschaftler sehen vermehrt Mangelerscheinungen, Magen-Darm-Probleme einschließlich Verstopfungen und Durchfälle, Zahnfrakturen und Fremdkörpererkrankungen durch Knochen sowie die Möglichkeit der Übertragung verschiedener Krankheiten (einschließlich Zoonosen). 

Bakterien

Während die Hitze bei der Herstellung von Heimtierfutter mögliche Bakterien zerstört, kann rohes Fleisch Bakterien enthalten, welche Katzen schaden können. 
Eine Studie von 25 kommerziellen Rohfuttersorten für Hunde und Katzen in den USA wurde bei 20% Salmonellen und Escherichia coli bei 64% der Nahrung festgestellt. Allerdings ist dabei leider nicht speziell auf den  E. coli-Stamm getestet wurden, der zur schweren Krankheit H157: O7 führt. 
Frischfleisch-Fütternde halten die Risiken für übertrieben und behaupten, dass die Magen-Darm-Enzyme und kurze Verdauungstrak von Hunden und Katzen es ihnen ermöglichen, mit schädlichen Bakterien fertig zu werden. Beispielsweise kam es in den USA zu einem Ausbruch durch Salmonellenverseuchtes kommerzielles Hundetrockenfutter führte zu 62 Fällen von Infektionen bei Menschen, aber keine wurden bei den damit gefütterten Tieren berichtet. Auf der anderen Seite gibt es einen Fall, wo zwei Katzen mit Rohfleisch gefütterte Katzen eine Salmonellose entwickelten und in Folge starben. Ein Tierarzt des National Animal Poison Control Center (größtes amerikanisches Zentrum, dass eine Notrufhotline für Tierbesitzer anbietet) weist darauf hin, dass der Durchfall bei Tieren, nicht wie von vielen Frischfleisch fütternden Besitzern angenommen ein Entgiftungsprozess, sondern durch Krankheitserreger wie Salmonellen, E. coli, Clostridium und Campylobacter hervorgerufen sein können.
Der Kauf von gutem Qualitätsfleisch aus seriösen Quellen und ordnungsgemäße Lebensmittelsicherheitspraktiken wie z.B.  Fleisch im Kühlschrank aufzutauen und Futter nicht zu lange stehen zu lassen, kann die Vermehrung von bereits im Fleisch vorhandenen Bakterien verringern. 

Parasiten

Rohes Fleisch kann auch schädliche Parasiten enthalten. Wie bei Bakterien werden diese Parasiten während der Wärmebehandlung von Fertigfutter vernichtet. Einige Frischfleisch-Rezepte beinhalten das Einfrieren des Endproduktes, was das Potenzial für Parasiten erheblich reduziert (aber nicht unbedingt beseitigt). 
Nach den EU-Vorschriften tötet das  Einfrieren bei -20°C für 24 Stunden bei Fisch Parasiten. Die FDA in den USA empfiehlt Einfrieren bei -35°C für 15 Stunden oder bei -20°C für 7 Tage. Die am häufigsten vorkommenden Parasiten im Fisch sind Spulwürmer aus der Familie Anisakidae  und Fischbandwürmer. 
Trichinella-Arten in Wild sind gegen Einfrieren resistent. Fälle von Trichinose bei Menschen stammen vor allem aus dem Verzehr von rohen oder nicht durchgebratenem Wild. Bei Hunden und Katzen sind Trichinellose-Symptome u.a. leichte Magen-Darm-Störungen (Übelkeit, Erbrechen und Durchfall) und in seltenen Fällen, Muskelschmerzen und Muskelsteifheit. Trichinella kommt auch in Schweinefleisch vor. Da rohes Schweinefleisch jedoch in jedem Fall einen Virus enthalten kann, der die tödliche Aujeszkysche Krankheit (Pseudotollwut) auslöst, sollte diese niemals an Katzen verfüttert werden.

Zoonoserisiko

Eine mögliche Gefahr der Roh-Fütterung ist, die Infektion von Menschen, dadurch dass sie direkt oder indirekt gegenüber bakteriellen Krankheitserregern in rohem Fleisch oder den tierischen Ausscheidungen ausgesetzt sind. Zum Beispiel warnt die britische Veterinary Association davor, dass Menschen "sich selbst dem Risiko von Bakterien wie Salmonellen aussetzen." Dies ist für ältere und immunsystemgeschwächte Personen sowie Kinder gefährlich.

Wegen der potenziellen Risiken für die tierische und menschliche Gesundheit, sind tierärztliche Organisationen und  öffentliche Gesundheitseinrichtungen der Auffassung, dass die Risiken, die mit Roh-Fütterung einhergehen die möglichen Vorteile überwiegen. Trotz dieser Bedenken gibt es keine bekannten Vorkommen von Menschen die sich durch Katzen mit Frischfleischfütterung mit Salmonellen infiziert hätten. Auch hier können richtige Vorsichtsmaßnahmen beim Handhaben von Lebensmittel wie gründliches Säubern von Oberflächen nach der Vorbereitung (nicht mit dem Schwamm der Geschirrreinigung!) und sorgfältige Entsorgung von Fäkalien das Risiko einer Infektion reduzieren. 

Der Anspruch „roh“ wird über fleischliche Tiefkühlkost  auch erfüllt, das schnelle Einfrieren beim Erzeuger mindert zudem auch die hygienischen Bedenken der Barf-Gegner.

Ausgewogenheit der Ernährung

Rohfleischfütterer unterstützen oft die Ansicht, dass nicht jede Mahlzeit "vollständig und ausgewogen" sein müsste, und dass ein Ernährungs-Gleichgewicht erreicht werden kann, indem man im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Fleisch, Fett, Knochen und Organe aus verschiedenen Quellen füttert, wie z. B. Huhn, Pute, Lamm, Rind, Fische, Kaninchen, etc., und auch Wild. 
Da Roh-Ernährung von peinlich genau zubereitet und getestet bis hin zu einer Vielzahl durcheinander serviertem Fleisch und Fleischer-Resten reicht, kann die Ausgewogenheit einer Ernährung mit Frischfleisch sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Rezept. Allerdings ist es insgesamt schwierig, eine bedarfsgerechte Ration zusammenzustellen, zumal Katzen sich in der freien Wildbahn hauptsächlich von Mäusen (aber auch anderer Beute) ernähren.

Beispielstudie

Eine 12-Monats-Studie, die im Rahmen der Winn Feline Foundation von Wissenschaftlern aus der UC Davis School of Veterinary Medicine durchgeführt wurde, versuchten die Auswirkungen einer Ernährung mit kompletten, gemahlenen Kaninchen mit einer kommerziellen, hochwertigen Nahrung an 22 Kätzchen und heranwachsenden Katzen zu untersuchen.  Die kompletten, gemahlenen Kaninchen (einschließlich Pelz und Organen) wurden eingefroren und vor der Fütterung in kleinen Chargen aufgetaut. 
Die Forscher stellten eine überlegene Schmackhaftigkeit der Roh-Kaninchen fest. Signifikante Qualitätsverbesserungen des Stuhls wurde in der Roh-Kaninchen Gruppe nach einer Woche gesehen. Nach einem Monat hatte die Roh-Kaninchen-Gruppe festen, nicht stinkenden und gut geformten Stuhl, während die Fertigfutter-Gruppe weichen bis flüssigen Stuhl zeigte. Allerdings sind die Gründe für die Stuhl-Unterschiede bei den untersuchten Ernährungsformen unbekannt. Die Roh-Kaninchen-Gruppe zeigte auch eine bessere Fellqualität. 
Es gab keine Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf die Wachstumsrate, Grad von Entzündungen im Darm und die Zahl der Bakterien im oberen Dünndarm, wobei jedoch eine etwas höhere Anzahl von Katzen in der Roh-Kaninchen-Gruppe pathogene Organismen (Giardia und Kryptosporidien) in ihrem Stuhl ausschieden. 

Zehn Monate nach Beginn der Studie, starb eine Katze in der Roh-Kaninchen-Gruppe plötzlich an dilatativer Kardiomyopathie aufgrund einer schweren Taurin-Mangels. 70% der Gruppe wiesen Herzmuskelveränderungen aufgrund des
Taurin-Mangels auf. Die Forscher ermittelten, dass die Roh-Kaninchen die minimalen Anforderungen von Taurin erfüllten aber spekulierten, dass die Bakterien in den Kaninchenkadavern einen Teil des Taurins zerstört haben könnten. 

Die Verarbeitung und das Mahlen der Kaninchen könnte möglicherweise auch einen Teil des Taurins, aufgrund der niedrigen Menge Vitamin E in der Ernährung, zerstört haben. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass "eine natürliche Ernährung vielleicht nicht immer so gesund ist wie gedacht, und dass auch die Messung der Nährstoff-Werte nicht unbedingt vorhersagen kann, wie eine solche Diät sich nach vielen Monaten der Fütterung auswirkt."  



Bei der Fütterung mit Rohfleisch ist auf jeden Fall zu empfehlen, häufige Analysen von einem Tierarzt oder tierischen Ernährungswissenschaftler durchführen zu lassen, um sicherzustellen, dass angemessene Nährstoffe aufgenommen werden. 
Wenn man sich sehr viel Mühe gibt und genau bei der Zusammenstellung ist, handelt es sich bei dieser Fütterungsart (gerade bei Katzen mit Allergien) um eine gute Alternative zu Fertigfutter.